Nachhaltiger Lebensstil

Der Verlust an Artenvielfalt, der Klimawandel, die Verschmutzung der Meere mit Plastik: Viele der großen gesellschaftlichen Herausforderungen haben ihren Ursprung im menschlichen Verhalten. Das heißt, die Herausforderungen können nur von uns Menschen bewältigt werden. Als einen Lösungsweg schlagen Fachleute immer wieder vor, dass unsere Lebensstile nachhaltiger werden müssten. Doch was ist das eigentlich: Ein nachhaltiger Lebensstil? Und was gehört dazu? Im Sprachgebrauch bezeichnen die meisten Menschen mit dem Begriff „nachhaltiger Lebensstil“ ein nachhaltiges Verhalten. Ich versuche Ressourcen zu sparen und mich nachhaltiger zu verhalten, z. B. in dem ich keine Lebensmittel wegwerfe, wiederverwendbare Verpackungen nutze, zu Fuß laufe, wenn es mir möglich ist. Solarpanels sind schon lange eine Zierde unseres Daches. Ist das ein nachhaltiger Lebensstil?
Regeneration

Der Lebensstil als Gegenstand der Forschung

Der Begriff Lebensstil hat Ursprünge in der Wissenschaft, der Psychologie und in der Soziologie. Die Erforschung von Lebensstilen hat eine lange Tradition und basiert auf unterschiedlichen Methoden und Theorien. Das ist auch der Grund, warum eine einheitliche Definition des Lebensethikbegriffs bis heute schwierig ist. Auch im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff unterschiedlich verwendet. Meist bezieht er sich darauf, wie Menschen sich in bestimmten Lebensbereichen verhalten, wie sie sich ausdrücken, wie sie sich kleiden, ernähren oder einrichten.

Die Lebensstilforschung versucht in diesem Zusammenhang, das beobachtete Verhalten anhand bestimmter Merkmale zu beschreiben und Einflussfaktoren zu bestimmen, die ein bestimmtes Verhalten fördern oder hemmen.

Den einen nachhaltigen Lebensstil gibt es nicht?

Es gibt viele Merkmale, mit denen Lebensstile beschrieben werden können. Die Auswahl der jeweiligen Merkmale hängt dabei unter anderem von den Untersuchungsmethoden und den jeweiligen Forschungsfragen ab. Der Gesellschaftswissenschaftler Hartmut Lüdtke hat drei Dimensionen benannt, nach denen die Merkmale geordnet werden können. Diese sind:

Lage: Hierzu gehören Aussagen über die soziale Lage der Menschen. Dazu gehört ihr Einkommen, ihre Bildung oder die Zugehörigkeit zu sozialen Netzwerken etc.

Mentalität: In diesen Bereich fallen Aussagen über die inneren Haltungen der Menschen, ihre Einstellungen oder ihre Zielvorstellungen etc.

Performanz: In diesem Bereich stehen die (beobachtbaren) Verhaltensmuster im Fokus der Untersuchung. Dazu gehören u. a. der Konsum, das Freizeitverhalten oder der Kleidungsstil etc.

Die drei Dimensionen Lage, Mentalität und Performanz können jeweils mit den ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit kombiniert werden. Das bedeutet: Es gibt nicht den einen nachhaltigen Lebensstil. Aufgrund der Vielzahl von Merkmalen und deren Kombinationsmöglichkeiten, mit denen man einen Lebensstil beschreiben kann, ist es theoretisch nämlich möglich, sehr viele (nachhaltige) Lebensstil-Gruppen zu bilden. Es kommt auf den Blickwinkel an.

Ein nachhaltiger Lebensstil, der in diesem Zusammenhang eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, ist der sogenannte „Lifestyle of Health an Sustainability“ (LOHAS). Die Menschen, die diesem Lebensstil zugerechnet werden, sind gekennzeichnet durch ihre Art des Konsums und ihr Bewusstsein für Gesundheit (Mentalität). LOHAS-Menschen wollen Genuss und Nachhaltigkeit verbinden. Für diese Menschen stehen Genuss und Konsum nicht im Widerspruch.
Nachhaltiger Konsum in vielen Bereichen des Lebens möglich

Das Konsumverhalten ist häufig Ausgangsbasis für die Definition von bestimmten Lebensstilen. Das Programm zum nachhaltigen Konsum der Bundesregierung hat folgende Lebensbereiche benannt, in denen ein nachhaltigeres Verhalten besonders wirksam sein kann, aber auch notwendig ist.

• Mobilität
• Ernährung
• Wohnen und Haushalt
• Freizeit und Tourismus
• Bekleidung
• Arbeiten und Büro

Sicher kann man nicht in allen Bereichen gleich und zu 100 Prozent nachhaltig sein, aber man kann Prioritäten setzen. Dabei gilt, dass ein nachhaltiges Leben nicht teuer sein muss. Wer seinen Konsum und Ressourcenverbrauch bewusst gestaltet und überflüssige Ausgaben einschränkt, spart sogar Geld.
Entwicklungsziel SDG 12: Nachhaltige Produktions- und Konsummuster
Wer ein nachhaltigeres Leben führen will, kann eigentlich unmittelbar damit anfangen. Der nachhaltige Konsum ist dafür ein guter erster Schritt. Wünschenswert wäre, wenn möglichst viele Menschen diesen Schritt gehen: Wenn nämlich viele Verbraucherinnen und Verbraucher ihr Nachfrageverhalten verändern würden, hätte das auch Auswirkungen auf das Angebot. Unternehmen, die sich den nachhaltigkeitsorientierten Lebensstilen bzw. Zielgruppen nähern wollen, werden dann ihre Geschäftsmodelle entsprechend darauf ausrichten und ggf. darauf anpassen. Sie werden stärker auf geschlossene Kreisläufe setzen oder Verpackungsmaterial einsparen. Ein gewisser Trend in diesem Bereich ist bereits erkennbar. Nachhaltigkeit treibt Innovationen. Und nicht umsonst lautet das SDG 12: Nachhaltige/r Produktion und Konsum.

Was wollen wir mit SDG 12 erreichen?

  • Die natürlichen Ressourcen sollen nachhaltig und effizient genutzt werden.
  • Abfälle sollen vermieden oder recycelt, gefährliche Abfälle sicher entsorgt werden.
  • Die Nahrungsmittelverschwendung soll verringert werden.
  • Die Unternehmen sollen ermutigt werden, ihre sozialen und ökologischen Risiken gering zu halten.
  • Verbraucherinnen und Verbraucher sollen besser über nachhaltigen Konsum informiert werden.
  • Die Behörden sollen bei der Beschaffung nachhaltige Produkte bevorzugen.
  • Der Umgang mit Chemikalien soll umweltverträglicher werden.

 

Ziele

  1. keine Armut
  2. kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. hochwertige Bildung
  5. Geschlechter Gleichheit
  6. sauberes Wasser und Sanitäreinrichtung
  7. bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. weniger Ungleichheiten
  11. nachhaltige Städte und Gemeinden
  12. nachhaltiger Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaft zur Erreichung von Zielen

 

Fazit: Verhaltensänderung als Ausgangspunkt für nachhaltigeres Leben

Lebensstile lassen sich mit vielen Merkmalen beschreiben. Den einen richtigen oder den einen nachhaltigen Lebensstil gibt es nicht. Als Verallgemeinerung bzw. sehr weitgefasste Definition eines nachhaltigen Lebensstils kann man vielleicht in Anlehnung an den Brundtland-Report sagen: „Ein Lebensstil ist dann nachhaltig, wenn er dazu beiträgt, die heutige Welt etwas besser zu machen, sodass auch noch kommende Generationen ihre Bedürfnisse stillen können.“
Sicher ist nur: Je besser es gelingt, die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit durch eigenes Verhalten in Einklang zu bringen, desto nachhaltiger leben wir. Ein guter erster Schritt in die Veränderung des eigenen Konsums. Aus den Veränderungen entstehen Möglichkeiten und neue Erfahrungen. Die Ernährung der Zukunft hat viele Spezialitäten im Angebot, die auch nachhaltig sein können.
Aus den Verhaltensänderungen und aus den neuen Erfahrungen entstehen möglicherweise neue und positive Einstellungen gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit. Diese Einstellungen können Grundlage sein, für einen Wandel in der Gesellschaft.
Doch wie sieht es jetzt mit meinem eigenen Lebensstil aus? Die finale Antwort überlasse ich der Forschung. Ich zähle mich selbst nicht zu den LOHAS-Menschen und bin auch noch weit davon entfernt, ein Precycler zu sein. Aber ich kann mich an deren Verhaltensweisen orientieren und mich noch mehr bemühen, Abfall zu vermeiden, das Auto stehenzulassen und andere Dinge zu tun, die nachhaltig sind. Ich bin damit noch nicht am Ende und ich werde mich weiter mit dem Nachhaltigkeitshandeln beschäftigen.
Machen Sie sich mit auf den Weg?

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