Die Formel fürs Glücklichsein

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Glück ist ein Lebenselixier und sorgt für seelische Gesundheit, Zufriedenheit und weniger Stress. Allerdings ist glücklich sein eine sehr subjektive Angelegenheit und bedeutet für jeden etwas anderes. Ist das Glas für Sie halbvoll oder halbleer? Ist es halbvoll, zählen Sie womöglich zu den Optimisten und haben das Glück bevorzugt auf Ihrer Seite. Betrachten Sie Ihr Glas als halbleer, sind sie von Natur aus pessimistischer und stehen dem Glück skeptischer gegenüber. Ob wir glücklich sind, ist keine Frage des Schicksals, sondern liegt zum größten Teil in unseren eigenen Händen.

Die Chemie der Euphorie

Was passiert eigentlich im Gehirn, wenn wir uns glücklich fühlen? Bereits Ende der 1950er Jahre bemerkte James Olds, Psychologe an der University of Michigan, dass Ratten die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mögen. Die Ratten konnten diese Gehirnregion selbst per Knopfdruck stimulieren und drückten den Knopf immer wieder. Solange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung beinahe gestorben wären. Für sie zählte nur noch der “Glückskick”. Olds hatte das Lustzentrum im Gehirn entdeckt, eine Ansammlung von Neuronen im Mittelhirn. Sie werden aktiv, wenn etwas passiert, das besser ist als erwartet. Dann stoßen sie den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn weiter: zum einen in den Nucleus accumbens im unteren Vorderhirn sowie direkt ins Frontalhirn. Wenn Dopamin im Nucleus accumbens ankommt, produzieren die dortigen Neuronen opiumähnliche Stoffe – wir fühlen uns euphorisch und glücklich. Das Dopamin im Frontalhirn führt dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert: Wir werden aufmerksamer, verarbeiten die Informationen des unerwarteten Ereignisses und lernen, was gut für uns ist.

So gesehen ist unser Glücksgefühl lediglich ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens. Damit es uns mit einer Überdosis Glück nicht geht wie den Ratten, ist es wichtig, dass unser Glücksempfinden auch wieder abflaut. “Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein. Aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben”, so der Hirnforscher Manfred Spitzer.

Glück steckt in den Genen

Manche Menschen scheinen immer gut darauf und zufrieden zu sein. Wurde ihnen das Glück schon in die Wiege gelegt? Jein. Der Psychologe David Lykken untersuchte das Glücksempfinden von Zwillingen. Dazu verglich er in Interviews das Wohlbefinden von eineiigen Zwillingen, die nach ihrer Geburt getrennt wurden und in verschiedenen Familien aufwuchsen, mit gemeinsam aufgewachsenen Zwillingspaaren. Das Ergebnis: Die Antworten beider Gruppen unterschieden sich kaum. Daraus schloss Lykken, dass Wohlbefinden und Glück mindestens zur Hälfte von den Genen beeinflusst werden. Doch wir sind nicht die willenlosen Knechte unserer Gene. Es gibt ja noch die anderen 50 Prozent. Der Neuropsychologe Richard Davidson untersuchte Babys und stellte fest, dass bei manchen die linke Gehirnhälfte aktiver ist als die rechte. Optimistische Typen hatten einen aktiveren linken Frontalcortex als unglücklichere Naturen. Aber: Nach zehn Jahren untersuchte er die Kinder wieder. Und da war nicht mehr viel vom damaligen Muster der Hirnströme zu erkennen. Die Kinder wurden von ihrer Umwelt stark geprägt, sodass sich die Gehirnströme verändert hatten.

Glück kommt und geht vorbei. Unglück auch – das vergessen wir nur manchmal. Glück ist eine Fähigkeit, die trainiert werden kann. Wie ein Muskel im Fitnessstudio. Die Wiederholung macht den Unterschied. Der Arzt und Comedian Eckart von Hirschhausen sagt über das Glück: „Glück ist die Summe meiner täglichen Gedanken und Handlungen.”

Glück ist eine Frage der Übung

Wir erkennen meist nur Dinge, die nicht gut waren, das Gute und Glückliche blenden wir aus. Hier ist es besonders wichtig sich die positiven Ereignisse und das glückliche Erleben in den Vordergrund zu rücken.

  • Setzten Sie sich Reminder. Einer meiner Teilnehmer erzählt mir mal, dass er sich jeden Morgen 10 trockene Bohnen oder ähnliches in die linke Hosentasche steckt und bei jedem glücklichen Erleben wandert eine Bohne in die rechte Tasche. Größtenteils sind sie bei mir sehr schnell in der rechten Tasche und reichen oft gar nicht für einen Tag aus.
  • Stellen Sie sich ein “Glücksschenkeglas” auf. Hier sind kleine Zettel darin mit positiven Erlebnissen und motivierenden Botschaften. Sinkt die Stimmung, darf man sich hier bedienen.
  • Lächeln Sie bewusst andere Menschen an, gerne auch wildfremde, Sie werden überrascht sein, wie oft Sie das Lächeln zurückbekommen – die Masken sind übrigens kein Hindernis – Lachen kann man auch sehr gut “nur” mit den Augen.
  • Erinnern Sie sich an schönen Erlebnissen. Eine Möglichkeit ist es ein Bild aufzuhängen oder das Erlebte aufzuschreiben.
  • Das Gehirn austricksen, z. B. ziehen Sie Ihren Mund zu einem großen Lächeln auseinander. Die Mundwinkelpunkte sind dann an einer Nervenknotenstelle und das Gehirn bekommt das Signal Glückshormone auszustoßen.


Auch eine schöne Möglichkeit sich an Erlebnisse, die glücklich waren, zu erinnern ist Abends einen kurzen Tagesrückblick zu machen und sich folgende Fragen zu stellen:

  • Was hat mich heute glücklich gemacht?
  • Was habe ich dazu beigetragen?
  • Welche Begegnungen haben mich glücklich gemacht?
  • Welche Tätigkeiten haben mich glücklich gemacht?


Stellen Sie sich diese zwei Fragen abends für mindestens zwei Wochen lang, gerne auch länger. Halten Sie Ihre Gedanken am besten schriftlich fest. Sie werden überrascht sein, von wie viel Fülle sie umgeben sind. Manchmal ist es ein Lied im Radio, nette Worte eines Freundes oder ein schöner Anblick der Natur. Es geht darum, die Sichtweise zu trainieren und auch zu bemerken, dass sie selbst verantwortlich sind, glücklich zu sein.

Beziehungen gestalten

Wer zahlt auf Ihr Glückskonto ein und wer bucht nur ab? Scannen Sie mal Ihr Adressbuch oder schreiben Sie auf ein Blatt Papier die Namen von den Menschen, mit denen Sie in regelmäßigen Kontakt stehen. Gehen Sie Person für Person durch. Wer ist Glücksräuber? Wer bedient sich unentwegt von Ihrem Konto, ohne einzuzahlen? Und wer bucht nicht nur ab, sondern zahlt auch ein? Machen Sie einen grünen Kreis, um diese Personen. Mit wem sind Sie besonders gut in Kontakt?

Achtsamkeit im Alltag praktizieren

„Man weiß selten, was Glück ist, aber meistens, was Glück war.“ (Françoise Sagan)

Achtsamkeit lehrt uns, den Moment des Glücks auch als solches wahrzunehmen. Stellen Sie sich die Frage: Worauf konzentriere ich mich eigentlich? Das Problem liegt zumeist in der Wahrnehmung und welche Bedeutung Sie dem Moment geben. Sind Sie bereit, einen schönen Moment zu empfangen? Es reichen bereits kleine Momente, die uns Glücksgefühle erfahren lassen. Wichtig ist, dass ICH diese erkennen, wahrnehmen und eben als solche Glücksmomente annehmen.

Zu guter Letzt: Es gibt auch Menschen, die gerne unglücklich sind. Man denke nur an Hypochonder oder die Unglücklich-sein als Möglichkeit sehen, so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie sind glücklich, wenn es Ihnen nicht gut geht. Die Perspektive macht den Unterschied.
Wenn Sie das nächste Mal ein zur Hälfte gefülltes Glas vor sich stehen haben, stellen Sie sich die Frage, wie Sie es betrachten möchten.

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